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Großvermuntalpe

Alpgebiete Vermunt/Grossvermunt

 «Ebenso kraus wie die sozialen sind auch die staatsrechtlichen Verhältnisse von Vermunt. Zu eigen gehört diese Alm, welche wohl ein Paar Quadratmeilen einnimmt, der schweizerischen Gemeinde Ardez oder Steinsberg im Unterengadin, obgleich sie durch ‚hohen Gletscher‘ und die Reichsgrenze davon getrennt ist.» Selbst der Vorarlberger Politiker und Reiseschriftsteller Carl von Seyffertitz (1825–1900), der als Max Vermunt die Silvretta durchschritt und beschrieb, staunte über das Vermunt, über das Alpgebiet, das sich über die Bielerhöhe hinweg vom vorarlbergischen Montafon ins tirolerische Paznaun erstreckt, ein Gebiet, auf dem nicht nur die Unterengadiner Gemeinde Ardez, sondern auch dessen Nachbarort Guarda Grund und Boden besaß. Ein Gebiet zudem, in dem sich vom Mittelalter bis in die Neuzeit Grenzen und Grundbesitz ständig verschoben. Selbst die eigentliche Grenze zwischen dem Freistaat der Drei Bünde, dem Vorgängerstaat von Graubünden, und Habsburg-Österreich veränderte sich noch. Um 1610 war man hüben wie drüben der Ansicht, dass das Klostertal und das Ochsental, die beide ins Vermunt einmünden, den Bündnern gehören, dass die Grenze also nicht wie heute im Hintergrund dieser Täler über den Hauptkamm der Silvretta verläuft. Und selbst die Bezeichnungen der einzelnen Alpen auf Vermunt verschoben sich. Heute bezeichnet man als Großvermunt aber doch einheitlich die gemeinsame Fortsetzung des Kloster- und Ochsentals vom Silvrettasee Richtung Montafon, während sich das Kleinvermunt ab der Bielerhöhe und vom Bieltal aus ins Paznaun erstreckt. Im Großvermunt liegt somit auch der Vermuntstausee, wo sich wiederum die einstige Alp Schweizer Vermunt befand. Die eigentliche Alpe Großvermunt, auf der Bielerhöhe gelegen, wechselte noch um 1900 für 60400 Schweizer Franken den Besitzer: Die Ardezer, die nun den beschwerlichen Wege über Pässe wie den Vermuntpass nicht mehr in Kauf nehmen wollten, verkauften die Alp an Galtür. Dennoch mutet es «kraus» an, dass sich noch durch das ganze 19. Jahrhundert hindurch Grund und Boden einer Schweizer Gemeinde außerhalb der Schweiz befand. Von der Alpe Großvermunt hatten die Galtürer Bauern, Hirten und die hier gesömmerten Kühe aber nicht lange viel: Die Alpe mit einer Fläche von gut 500 Hektaren ist heute größtenteils vom Silvrettasee bedeckt.