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Wiesbadener Hütte

Wiesbadener Hütte

Jährliche Verluste im zweistelligen Millionenbereich: So nehmen sich die letzten Jahresbilanzen der Gletscher in der Silvretta, im Einzugsgebiet der Illwerke, aus. Millionen Kubikmeter Eis sind also dahin geschmolzen. Die Zunge des Ochsentaler Gletschers südlich des heutigen Silvretta-Stausees hat sich seit 1850 gut zwei Kilometer zurückgezogen, bis an den Fuß des Piz Buin. Der Gletscherrückgang setzte in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein, als nach gut 300 Jahren die Kleine Eiszeit zu Ende ging, in der die Gletscher nach mittelalterlichen Wärmeperioden noch einmal angewachsen waren und mitunter den alten Viehtrieb vom Engadin über den Vermuntpass erschwert hatten. Neben dem Gletscherschwund zeigt sich in der Silvretta ab der Mitte des 19. Jahrhunderts noch eine weitere Veränderung: Die Hirten, die über Jahrhunderte die Alpen mit tausenden Tieren bestoßen haben, werden zusehends von Alpinisten abgelöst. Bald organisieren sich die Alpinisten auch in Clubs. Gegründet werden diese meist in Städten, und darum erhalten auch die Hütten der Alpinisten urbane Namen. So wird 1884 im Ochsental die Wiesbadener Hütte eröffnet, 1889 im tirolerischen Fimbertal die Heidelberger Hütte, und unter dem Großen Litzner kommt auf Vorarlberger Gebiet 1911 die Saarbrücker Hütte zu stehen. Aber nicht nur Alpinisten ziehen nun durch die Silvretta, sondern auch Träger. Auf die Wiesbadener Hütte schleppen sie den Proviant von Galtür aus hoch, sechs Stunden lang. Und weil bald der Winteralpinismus einsetzt, stapfen sie auch durch den Schnee. Das aber haben die Träger maximal drei Winter gepackt. «Dann war fertig, so schwer war die Arbeit», erinnerte sich vor wenigen Jahren die ehemalige Hüttenwartin Berta Lorenz. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts gibt´s dann so gut wie keine Träger mehr. Berta Lorenz, die 1958 ihren Mann verloren hat, musste sich ab da anders zu helfen wissen. Bald sah man sie im Winter auf einem Schneewiesel, einem Raupenfahrzeug, über den vereisten Silvretta-Stausee hoch zur Wiesbadener Hütte fahren. 32 Jahre lang war Berta Lorenz, 1927 in Galtür geboren, Wirtin auf der Wiesbadener Hütte. Bis zu 120 Alpinisten hatte sie hier an manchen Tagen zu verpflegen. Alpinisten, die von der Hütte aus, wie noch heute, auf den Piz Buin (3312 Meter), den Piz Linard (3410 Meter) oder die Dreiländerspitze (3197 Meter) gestiegen sind. Gepäcktransporte bietet die Wiesbadener Hütte, gelegen auf 2443 Meter über Meer, übrigens auf Anfrage immer noch an...