Ganzjahrestourismus

Immer Saison

Wohi gôt's

"Echt Muntafu" Ausgabe 02 / 2018

Ein Kurzurlaub über die Feiertage im Mai, zwei Wochen im Sommer zum Entspannen, im Herbst noch ein Wanderwochenende in den Bergen und im Winter der alljährliche  Skiurlaub mit guten Freunden. Das Urlaubsverhalten hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Nachfrage verteilt sich immer mehr auf das ganze Jahr.  
Welche Vorteile mit der Fokussierung auf den Ganzjahrestourismus einhergehen, haben uns Sandra Bitschnau, Leiterin des Spar-Marktes in Tschagguns, Markus Büchel, Leiter Produktmanagement bei der Silvretta Montafon und Bernhard Haselsteiner, Regionaldirektor TUI BLUE Hotels Österreich, verraten.

Das Interview

mit Sandra Bitschnau, Markus Büchel und Bernhard Haselsteiner

Wie ist das Montafon in Sachen Ganzjahrestourismus aufgestellt?
Sandra: Aus meiner Sicht ist es nicht schlecht aufgestellt. Wir sind auf jeden Fall auf dem richtigen Weg. Aber es gibt natürlich ein paar Dinge, die man noch besser machen könnte. Ich merke das in meinem Geschäft in Tschagguns insbesondere daran, dass vor allem im Winter extrem viel los ist – im Frühling und im Herbst hingegen nicht. In dieser Zeit muss ich das Personal reduzieren und kann zum Glück auf meine einheimischen Stammkunden zählen. Für  mich - und ich glaube fürs ganze Montafon - wäre es wichtig, dass man mehr in die Übergangszeiten investiert. 

Markus: Das sehe ich ähnlich. Ein Probelm im Montafon ist, dass wir nicht ausreichten miteinander kommunizieren und uns zu wenig abstimmen. Bespielsweise sollten nicht nur die Bergbahnen dafür sorgen, dass durchgehend ein Zugang zum Berg gewährleistet ist. Auch die Hotels oder Ferienwohnungen sollten über ein ganzjähriges Angebot verfügen. Es gibt schon viele, die eng zusammenarbeiten und versuchen das Tal voranzubringen, aber das sind noch zu wenige. Das Ziel ist ja, dass sich ein Gast auch willkommen und wohlfühlt, wenn er im April oder Oktober zu uns kommt. Wenn er nur vor verschlossenen Türen steht, ist das definitiv nicht gelungen. Ich habe das Gefühl, dass hier oft das Bewusstsein für die Bedürfnisse des Gastes fehlt.  

Bernhard: Ich denke, dass es sehr umfangreiche Möglichkeiten im Bereich Sport und auch sehr schöne kulturelle Möglichkeiten in der Region gibt. Jedoch wird bislang noch hauptsächlich in den klassischen Sommer- und Wintersaisonen gedacht. In den Übergangszeiten zwischen Sommer und Winter sehe ich noch Potenzial. Hier könnte noch einiges hinsichtlich der Infrastruktur verbessert werden, um wirklich zu einer Ganzjahresdestination zu werden. 

 



„Das Montafon ist ein einzigartiges Tal mit viel Potenzial. Darum haben wir uns hier niedergelassen.“

Bernhard Haselsteiner

Was sollte noch dringend ausgebaut werden?
Bernhard:
Ich denke, dass ein Kongresszentrum und weitere Angebote im Bereich Wellness sich lohnen würden. Außerdem muss auch in die Wohninfragstruktur für Mitarbeiter investiert werden. In der Hotellerie müssen wir schon seit einiger Zeit Mitarbeitermarketing genauso professionell angehen wie unser Gästemarketing. Und ein ganz entscheidender Aspekt ist dabei leistbarer Wohnraum. 

Markus: Ja, wir müssen dringend wieder mehr qualifizierte Mitarbeiter gewinnen. Das ist eines der zentralen Anliegen, um auch langfristig erfolgreich sein zu können. Das kommt uns allen zugute. Denn wenn wir sowohl Wohnraum für unsere Gäste, als auch unsere Mitareiter schaffen, dann profitieren auch der Handel und die Dienstleistungsbetriebe. 

Sandra: Ein weiterer Aspekt, der für mich ganz wichtig ist, sind die längeren Öffnungszeiten in allen Bereichen - das betrifft vor allem die Zwischensaisonzeiten. Aber auch der eine oder andere Service kann sehr viel Positives bewirken: Ich habe zum Beispiel mit einzelnen Ferienhäusern eine Vereinbarung und liefere jeden Morgen frisches Brot und Gebäck für die Gäste. Das ist einfach ein extra Service, den viele zu schätzen wissen. 



„Wenn wir noch besser zusammenarbeiten, können wir nur profitieren.“

Sandra Bitschnau

Warum überhaupt Ganzjahrestourismus? Welche Vorteile entstehen daraus?
Bernhard:
Der Ganzjahrestourismus ermöglicht eine Wertschöpfung für die Region über das gesamte Jahr hinweg. Und um nochmal auf den Fachkräftemangel zurückzukommen: Für Betriebe entstehen Vorteile vor allem bei der Personalakquise, da die Mitarbeiter zunehmend nach einem sicheren ganzjährigen Job suchen. Der Gast soll darüber hinaus die Möglichkeit haben, die wunderbare Region das ganze Jahr erleben zu können, je nach Jahreszeit mit verschiedenen Schwerpunkten und Aktivtäten. Meiner Meinung nach kann das durch geschickte Angebotssteuerung erreicht werden.

Markus: Genau. Mit einem Fokus auf Ganzjahrestourismus können wir die Auslastung unserer Infrastruktur besser ausschöpfen, die ja sowieso vohanden ist. Bei uns im Montafon kann man schließlich das ganze Jahr in den Bergen aktiv sein. Und hinsichtilich des konkreten Angebots müssen wir wachsam sein, welche Bedürfnisse unsere Gäse haben und demensprechend reagieren. Außerdem können wir so unsere Mitarbeiter durchgehend beschäftigen und ihnen attraktive Arbeitsplätze bieten. 

Sandra: Da muss ich zustimmen. Uns wird oft vorgeworfen, dass verstärkt ausländische Mitarbeiter eingestellt werden. Aber viele Einheimische sagen, sie wollen nicht so einen unsicheren Arbeitsplatz, bei dem sie nur in den Hauptsaisonen angestellt sind und im Herbst und Frühjahr etwas anderes suchen müssen. Es ist sehr schwierig geworden, Personal zu finden, das dazu überhaupt bereit ist. Gerade wenn man ein gewisses Alter erreicht oder Familie hat, ist die Saisonarbeit nicht mehr attraktiv. Was natürlich ein weiterer Vorteil  von Ganzjahrestourismus ist: das Gewerbe profitiert auch in den klassischerweise ruhigeren Nebensaisonen. Das lässt die Wertschöpfung wachsen und ermöglicht uns zudem, das Tal weiterzuentwickeln.



„Wir müssen auch unseren Mitarbeitern mehr bieten, um sie langfristig binden zu können.“

Markus Büchel

Inwiefern ist das Freizeitangebot ausreichend? An welcher Stelle müsste man nachschärfen?
Markus:
Das Freizeitangebot im Sommer und Winter hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Da ist viel passiert. Von Skifahren, Freeriden, Schneeschuhwandern über Wandern, Klettern un so weiter bieten wir schon sehr viele Aktivitäten an. Mountainbiken ist derzeit auch ein stark wachsender Sport, hier könnte man noch mehr machen. Und vor allem im Herbst und Frühjahr ein noch dichteres Angebot schaffen.  

Bernhard: Die Übergangszeiten haben sicherlich noch Ausbaupotenzial. Ziel sollte sein, mehr Angebote zu schaffen beziehungsweise durch Infrastrukturinvestitionen neue Zielgruppen und Zielmärkte ansprechen zu können.  

 

 

 

 

 

 

Was bedeutet diese Ausrichtung für die Bevölkerung im Tal?  

Sandra: Meiner Meinung nach können wir nur gewinnen, wenn wir den Tourismus als etwas Positives sehen, von dem wir alle leben. Jeder Händler, jeder Handwerker profitiert davon. Und zusätzlich werden sichere und langfristige Arbeitsplätze geschaffen, wenn wir das ganze Jahr ein vielfältiges Angebot bieten. 

Bernhard: Ich denke auch, dass wir durch die Ganzjahresausrichtung dem aktuellen Trend der Abwanderung der örtlichen Bevölkerung entgegenwirken können, indem wir hier nachhaltig Arbeitsplätze schaffen. Und im Hinblick auf die Landwirtschaft könnten weitere Vermarktungszeiträume für lokale Produkte entstehen - so könnten dies Waren den Hotels und Einheimischen durchgehend angeboten werden. 

Markus: Das Thema Regionalität von landwirtschaftlichen Produkten wird ohnehin immer wichtiger. Das bedeutet auch für die Montafoner Landwirte einen wachsenden Absatzmarkt. 



„Wenn wir an einem Strang ziehen, kommt es allen zugute.“

Sandra Bitschnau & Markus Büchel

Nächtigungen im Montafon

(Aus dem "Echt Muntafu" Augabe 02 / 2018): 

Oktober 65.816
November 17.437
Dezember 150.316
Januar 314.634
Februar 394.874
März 340.569
April 69.068
Mai 53.684
Juni 73.343
Juli 201.355
August 225.722
September

111.119

Quelle: Echt Muntafu Ausgabe 02 / 2018  


Urlaub beginnt online

Buchungsverhalten

Von Buchungsplattformen, über Apps bis hin zu Bewertungsportalen: Durch  die Digitalisierung hat sich das Buchungsverhalten der Gäste enorm verändert. Die meisten Urlaube werden inzwischen auf Online-Portalen gebucht. Der eigene Internetauftritt und die damit verbundene Möglichkeit online zu buchen, ist deshalb ein Gebot der Stunde.

Früher wurden Kataloge von Reiseveranstaltern durchgeblättert und Reiseführer gewälzt um sich über Hotels und Urlaubsdestinationen zu informieren. Heute genügen wenige Klicks, um sich beispielsweise auf sozialen Netzwerken wie Instagram oder Reiseblogs inspirieren zu lassen. Der allgemeine Trend im Urlaubsbereich geht hin zu individuell zusammengestellten Reisen und Kurzurlauben, die dafür übers ganze Jahr verteilt werden – immer häufiger auch in den günstigeren Nebensaisonen. Der Gast erwartet sich also auch abseits der Hauptsaisonen ein breites Angebot und guten Service.

Unkompliziert buchen

Bei der Urlaubsplanung ist die präferierte Unterkunft meist ein Hotel, knapp dahinter liegen Ferienwohnungen. Wichtigste Informationsquellen für die Buchung sind neben den Webseiten der Unterkünfte und den Bewertungen auf Buchungsplattformen vor allem auch informative und inspirierende Internetseiten der Urlaubsdestinationen. Aus Sicht der Hotel- und Gastgewerbetreibenden ist es daher unverzichtbar, sich entsprechend online zu präsentieren, zentrale Informationen zugänglich zu machen und unkomplizierte Buchungsmöglichkeiten anzubieten.

Vielfältiges Montafon geschätzt

Auch im Montafon sind diese Trends klar spürbar: 53 % unserer Gäste informieren sich mittlerweile online über ihren Urlaub. Weitere 35 % buchen schlussendlich ihre Reise auch über eine Online-Plattform. Immer relevanter wird für sie neben dem Reiseziel auch die Urlaubsart – Erholung und sportliche Aktivität werden hier zunehmend nachgefragt. Im Montafon werden besonders die Ruhe, die vielen Wanderwege, der Schneereichtum sowie die einzigartige Landschaft und Natur geschätzt.

Gastgebercoaching

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Das kostenlose Gastgebercoaching von Montafon Tourismus macht private Gastgeber in interessanten Schulungen fit für die aktuellen Anforderungen der Branche.

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Anne  | © Montafon Tourismus GmbH Schruns, Patrick Säly
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"Ich möchte den urigen Muntafuner Dialekt beibehalten und bin bemüht diesen auch weiterzugeben."