Hemingway - Poesie für das ganze Tal

Auf Spurensuche eines berühmten Gastes

Ernest Hemingway war einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Als junger Journalist verbrachte der spätere Literaturnobelpreisträger zwei Winter im Montafon. Eine kurze, jedoch prägende Zeit, die sich auch in seinen Werken niedergeschlagen hat.

Der erste Urlaub

Vor knapp 100 Jahren reiste im Winter 1924/1925 der damals unbekannte US-Amerikaner Ernest Miller Hemingway zusammen mit seiner Frau Hadley und ihrem einjährigen Sohn John „Bumby“ zum ersten Mal ins Montafon. Ein Hauptgrund, weshalb Hemingway mehrere Monate mit seiner Familie hier Urlaub machte, war neben den landschaftlichen Reizen sein damaliger Geldmangel. Der Aufenthalt in Schruns war für ihn als Amerikaner auf Grund der galoppierenden Inflation in Österreich viel günstiger als an seinem Wohnort Paris.

Während seines Aufenthaltes zechte und spielte Hemingway Karten mit Jägern, Bauern und Baronen und erlernte das Skifahren in Windeseile. Und dies so gut, dass er sogar Mitglied des örtlichen Skiclubs wurde. Damals war das Montafon als Wintersportdestination noch weitgehend unbekannt, sodass er in einem Brief an einen Freund sogar erwähnte, dass er der beinhae einzige Gast in Schruns sei. Abgestiegen war Hemingway im Hotel Taube, das ihm gut gefiel. Der Schriftsteller beschrieb seine Unterkunft als „groß und behaglich, mit großen Öfen, großen Fenstern und großen Betten und guten Wolldecken und Federbetten. Die Mahlzeiten waren einfach und ausgezeichnet, und der Speisesaal und die holzgetäfelte Gaststube waren gut geheizt und gemütlich.“1

 

Sehnsuchtsort Silvretta

Besonders angetan war Ernest vom Gebirgszug Silvretta, wo er das Madlenerhaus und die Wiesbadener Hütte als Stützpunkte für Skitouren nutzte. So berichtete Hemingway in einem Brief an einen Freund: „Wir haben gerade eine höllische Gletschertour gemacht – Aufstieg auf Skiern auf 3.200 Meter […]. Jesus, es war kalt. Dann fünf Meilen Abfahrt über die Vorderseite des Gletschers in unter zwölf Minuten. Wundervolles Land. Die Silvretta. Wir gingen direkt über den Grat in die Schweiz. Gestern 21 Kilometer Abfahrt auf Skiern und dann 19 Kilometer Fußmarsch talabwärts von Parthenen [sic] nach Schruns.“2

Das Lebensgefühl Montafon

Hemingway bestieg im Montafon so ziemlich auf jeden Gipfel, bekam nie genug von der Schnelligkeit des Skifahrens und genoss abends die Behaglichkeit in seinem Hotel. Unter dicken Decken, in der warmen Stube, bei bodenständigem wie gutem Essen und in aufrichtig ehrlicher Gesellschaft. Dieses Lebensgefühl von Freiheit ließ Hemingway nie wieder los und er verarbeitete sie in mehreren seiner großen Werke, neben in „Paris – ein Fest fürs Leben“ auch in „Schnee über dem Kilimandscharo“. In ersterem erinnert sich Hemingway kurz vor seinem Tod auch an seine Anreise per Zug ins Montafon, wobei er die Örtlichkeiten in seiner Beschreibung ein wenig durcheinander brachte:

„Wir fuhren nach Schruns im Vorarlberg in Österreich. Nachdem man durch die Schweiz gefahren war, kam man bei Feldkirch an die österreichische Grenze. Der Zug fuhr durch Liechtenstein und hielt in Bludenz, wo eine kleine Seitenlinie abging, die an einem steinigen Forellenwasser entlang, durch ein Tal mit Bauernhöfen und Wäldern bis Schruns führte, einer sonnigen Marktstadt mit Sägemühlen, Geschäften, Gasthöfen und einem guten, ganzjährig geöffneten Hotel, das Die Taube hieß, in dem wir wohnten.“3

Ein echter Lebemann

„Seine Zeit im Montafon war intensiv und abwechslungsreich“, fasst der Historiker Dr. Andreas Brugger von den Montafoner Museen Ernest Hemingways Aufenthalte im Tal zusammen. „Er konnte seine Leidenschaften Sport, Jagd und Glücksspiel ausleben und auch seine Vorliebe für Frauen kam keineswegs zu kurz.“

Hotel "Taube" in Schruns | © Archiv Montafon Tourismus GmbH

Eingang in die Weltliteratur

Der erste Aufenthalt gefiel Hemingway so gut, dass die Familie im folgenden Jahr zusammen mit Freunden und Bekannten wiederkam. Im zweiten Winter besuchte die Modejournalistin Pauline Pfeiffer die Hemingways mehrere Monate. Sie und Ernest begannen eine folgenreiche Affäre. Die Ehe mit Hadley zerbrach und Ernest heiratete Pauline nur ein Jahr später. Allerdings sollte auch diese nicht lange halten. Insgesamt war Hemingway vier Mal verheiratet bevor er 1961 seinem Leben mit 61 Jahren selbst ein Ende setzte. 

Während seinen Aufenthalten im Montafon arbeitete Hemingway aber auch trotz seiner Leidenschaften mit großem Eifer. Im ersten Winter stellte er den Kurzgeschichtenband „In unserer Zeit“ fertig und im darauffolgenden seinen ersten Roman „Fiesta“, der ihm den ersehnten Durchbruch als Schriftsteller brachte. Die Zeit im Montafon verarbeitete er neben den genannten Werken auch in mehreren Kurzgeschichten und Briefen.

Hemingways Spuren sind sichtbar

„Ernest Hemingway liebte das Montafon, das er in einigen seiner Werke als sein ‚Privates Paradies‘ bezeichnete, das er aber nie wieder besuchte. Nur in Gedanken kehrte er in seinem letzten Roman ‚Paris, ein Fest fürs Leben‘ noch einmal nach Schruns zurück und setzte dem Montafon ein ewiges Denkmal“, so der Buchautor, Journalist und Hemingway-Experte Günther J. Wolf. 

Heute steht seine Bronze Statue auf dem Dorfplatz von Schruns und erinnert an den wohl bekanntesten Besucher des Montafons. Sie ist Teil des Kultur- und Kunstwegs, der Dich an viele interessante Plätze in Schruns auf die Spuren Hemingways führt. Bei genauem Hinsehen und Hinhören wird Dir der berühmte Schriftsteller in Schruns, aber auch an anderen Orten des Montafon, immer wieder begegnen.  

Auch in Gaschurn auf dem Alpinismusweg kannst Du Ernest Hemingway aufspüren. Eine Ausstellung gibt Dir Einblicke in sein Leben und seine Aufenthalte im Montafon. Auch im Posthotel Rössle nächtigte Hemingway einst bevor er sich in die Silvretta aufmachte.

Hemingway - Poesie für das ganze Tal Impression #1

1Hemingway. Paris – ein Fest fürs Leben. 1989. 300f.
2Hemingway in: Baker (Hg.). Ernest Hemingway. Selected Letters. 1917 – 1961. 1981. 151.
3Ernest Hemingway. Paris – ein Fest fürs Leben. In: Ernest Hemingway. Gesammelte Werke 9. Reinbek bei Hamburg 1989. 189-309. Hier: 300.

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