Gut gesichert hoch hinaus
Mächtige Felswände, markante Kalkformationen und ein beeindruckendes Bergpanorama: Das Montafon ist ein Eldorado für alle, die den Nervenkitzel am Fels suchen. Ob im Rätikon, in der Silvretta oder im Verwall, ob gemütlich im Tal oder anspruchsvoll in hochalpinen Höhen: Auf den 26 Klettersteigen der Region warten unvergessliche Abenteuer sowohl für Einsteigerinnen und Einsteiger als auch für Fortgeschrittene. Doch jeder gesicherte Griff und jeder stabile Tritt sind das Ergebnis einer oft unsichtbaren, aber unverzichtbaren Arbeit – der umsichtigen Pflege und Instandhaltung der Klettersteige.
Der Montafoner Bergführer Martin Marinac kennt die Klettersteige der Region wie seine Westentasche. Für ihn beginnt echter Kletterspaß jedoch nicht erst
beim Aufstieg, sondern bereits bei der Sicherheit am Fels.
Neben seiner Tätigkeit als Bergführer übernimmt er – wie einige seiner Kollegen auch – eine wichtige Aufgabe in der Montafoner Bergwelt: Er prüft Seile, zieht Eisenklammern nach und kontrolliert Verankerungen. So stellt er sicher, dass jede Route höchsten Sicherheitsstandards entspricht und trägt dazu bei, den Klettersteiggeherinnen und Klettersteiggehern maximal mögliche Sicherheit und Komfort
zu bieten.
Wie lange wartest und pflegst Du schon die Klettersteige im Montafon?
Seit ich 2018 bei der Errichtung einiger Klettersteige im Montafon beteiligt war, führe ich auch
seither bei diesen Klettersteigen die Wartungsarbeiten durch.
Was gehört zur Wartung von Klettersteigen dazu und wie oft werden diese kontrolliert?
Zu den Wartungsarbeiten gehört die Kontrolle sämtlicher Verankerungen, Seilbefestigungen, Trittbügel und Verankerungen der Hängebrücken. Die Komplettkontrolle findet jährlich im Frühjahr von Mitte Mai bis Mitte
Juni, je nach Schneelage, vor der Klettersteigsaison statt. Begehungsschäden während der Saison werden meist
von Klettersteiggeherinnen und Klettersteiggehern oder Kolleginnen und Kollegen gemeldet und zeitnah repariert.
Was ist bei der Wartung von Klettersteigen besonders wichtig zu beachten?
Besonderes Augenmerk ist auf Veränderungen der Felsstruktur im Bereich der Steiganlage und des Einzugsgebietes des Klettersteigs zu richten. In einer Felswand sind Veränderungen der Fels- und Gesteinsstrukturen durch Witterungseinflüsse natürlich immer ein Thema. Speziell der Winter und insbesondere das enorme Gewicht der Schneedecke verursachen die meisten Schäden.
Gab es besondere Erlebnisse oder ungewöhnliche Situationen bei Deiner Arbeit am Fels?
Sehr besonders bei dieser Arbeit ist die Ruhe zu dieser Jahreszeit. Außer ein paar Murmeltieren und
Steinböcken ist zu dieser Jahreszeit niemand am Berg unterwegs.
Welcher Klettersteig im Montafon ist Dein persönlicher Favorit?
Ich denke, der Klettersteig Madrisella bietet der versierten Klettersteiggeherin und dem versierten Klettersteiggeher durch die besonderen Felsstrukturen und die 120 Meter hohe Felswand sehr viel Freude. Landschaftlich besonders reizvoll ist der Klettersteig Gauablickhöhle, der teils durch eine horizontale, 350 Meter lange Eiszeithöhle führt. Auch der Blick auf die umliegenden Rätikongipfel wie die Drei Türme und die Drusenfluh, der sich entlang des Klettersteigs eröffnet, ist spektakulär. Allgemein bietet das Montafon sehr gute und viele Möglichkeiten für Klettersteigbegeisterte. Da ist für jeden etwas dabei.
Welche Tipps würdest Du Klettersteig-Neulingen geben?
Der ideale Einstieg ins Klettersteiggehen gelingt zum Beispiel mit dem BergePLUS Erlebnisprogramm, das ein vielfältiges Angebot an geführten Klettersteig-Touren bereithält. In Begleitung einer Montafoner Bergführerin oder eines Bergführers lernen Interessierte den richtigen Umgang mit dem Equipment und erhalten wertvolle Tipps zum Material. Wichtig beim Klettersteiggehen ist es, sich Schritt für Schritt zu steigern und herauszufinden, in welchem Schwierigkeitsgrad man sich am wohlsten fühlt. Wie bei jeder Bergtour spielt auch hier das Wetter eine entscheidende Rolle: Bei Gewitterneigung darf ein Klettersteig auf keinen Fall begangen werden! Klettersteiggehen ist und bleibt trotz aller Sicherungsmaßnahmen und Vorkehrungen eine alpine Unternehmung. Wie bei jeder Berg- oder Klettertour sind alpine Gefahren wie z. B. Steinschlag, Wetter oder Altschneefelder natürlich ein Thema.
Was fasziniert Dich am meisten an Deinem Job?
An meinem Beruf als Bergführer schätze ich vor allem die Abwechslung. Sich Ziele zu setzen und dann gemeinsam die dazu nötigen Fähigkeiten zu erarbeiten, ist eine sehr lohnende Sache. Ein Bergführer ist nicht nur Begleiter, der für die Sicherheit verantwortlich ist, er ist auch „Coach“ für sämtliche Bereiche des Bergsports.
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