Wintersport im Montafon

Kulturelles
Sportliches
29.12.2025

 Meilensteine einer über 100-jährigen Erfolgsgeschichte

Von Pioniergeist, Leidenschaft und internationaler Stahlkraft: Wie sich das Montafon zur Wintersportregion mit internationalem Renommee entwickelte

Wintersport ist im Montafon mehr als nur Tradition – es ist gelebte Identität, die Generationen miteinander verbindet. Die Entwicklung von den ersten waghalsigen Abfahrten auf einfachen Holzskiern über international renommierte Weltcupbewerbe und das Europäische Olympische Jugendfestival bis hin zu den FIS Snowboard, Freestyle und Freeski Weltmeisterschaften 2027 erzählt eine Geschichte von Innovationskragt, Gemeinschaftssinn und sportlichem Ehrgeiz im südlichsten Tal Vorarlbergs. In einer Region, in der Natur und Sport eng verwoben sind, wurde das Fundament für eine über hundertjährige Erfolgsgeschichte gelegt – getragen von engagierten Vereinen, visionären Persönlichkeiten und unzähligen sportlichen Glanzmomenten.

Diese Chronik wirft einen pointierten Blick zurück – nicht nostalgisch, sondern mit Stolz auf das, was war – und voller Erwartung auf das, was noch kommen wird.

1900er Jahre

Bereits in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts fanden sich im Montafon die ersten Wintersportpioniere aus der Region zusammen. Als 1906/07 zwei kleine Gruppen von Enthusiasten die ersten Wintersportclubs des Tales in Schruns und Tschagguns gründeten, ahnte wohl niemand, dass sie den Grundstein für eine der ältesten Wintersporttraditionen Vorarlbergs legten.

Rodeln galt zunächst als beliebtestes Wintervergnügen, doch schon bald begannen die Skier, das Tal zu erobern. Dass diese neue Sportart anfangs belächelt wurde, hielt die Pioniere nicht auf: Im Jahr 1910 wurde der Golm zur Bühne für die ersten Vorarlberger Landesmeisterschaften im alpinen Abfahrtslauf – ein früher Meilenstein auf dem Weg in der sportlichen Entwicklung des Montafon.

1920er & 1930er Jahre

Im Ersten Weltkrieg erlernten viele Montafoner Soldaten das Skifahren. In der Zwischenkriegszeit brachte diese Erfahrung neuen Schwung – überall im Tal gründeten sich Skiclubs. Der Skilauf verdrängte das Rodeln. Lifte gab es zwar noch keine, aber das tat dem Ehrgeiz keinen Abbruch. Rennen wie der Silvrettalauf oder Kapelllauf entwickelten sich zu Publikumsmagneten und sogar internationale Gäste wie den US-amerikanischen Schriftsteller Ernest Hemingway zog es in diese winterliche Bergwelt.

Der Skisprung wurde zum neuen Spektakel und mit der Rhätikonschanze sowie der Zelfenschanze erhielt das Montafon Sprunganlagen, die für Aufsehen sorgten – nicht zuletzt, weil Legenden wie Bubi Bradl dort Rekorde aufstellten.

1940er Jahre

Die Nationalsozialisten vereinnahmten im Zweiten Weltkrieg auch den Skisport: Die Skivereine gingen im NS-Reichsbund für Leibesübungen auf. Doch selbst die tiefen Narben dieser Epoche konnten den Sportsgeist im Montafon nicht brechen. Schon 1946 wurden erneut die Vorarlberger Landesmeisterschaften ausgetragen, ein Jahr später die ersten Österreichischen Nachkriegsmeisterschaften – mit tatkräftiger Unterstützung aus dem ganzen Tal. Symbol für den Aufbruch war der Bau des ersten Sessellifts in Vorarlberg, am Grabs in Tschagguns. Und es war ein struktureller Schritt, der die Zukunft prägte: 1949 entstand der Skiclub Montafon, ein Talschaftsverband, der die Kräfte bündelte – aus Überzeugung, dass man gemeinsam mehr bewegen kann.

Auch im Skisprung tat sich einiges. Für die Meisterschaften von 1947 entstand eine Kombinationsschanze – Schauplatz des ersten legendären Nachtspringens Österreichs.

1950er Jahre

Mit dem Skiclub Montafon begann eine neue Ära: sportlich ambitioniert, organisatorisch professionell und getragen von großem Zuspruch. Die Internationalen 2-Pisten-Rennen wurden ab 1951 zum sportlichen Aushängeschild – mit prominenten Namen wie den drei Olympiasiegern Othmar Schneider, Henri Oreiller und Stein Eriksen. Bei den Österreichischen Meisterschaften 1957 war schließlich Toni Sailer der unumstrittene Star.

Gleichzeitig schrieb der nordische Skisport seine eigene Erfolgsgeschichte: Durch das engagierte Wirken lokaler Funktionäre entwickelte sich Gaschurn zu einer Langlaufhochburg – mit nationalen Titeln und einer besonders starken Nachwuchsförderung.

1960er Jahre

Die Idee, das Montafon regelmäßig zur Bühne des internationalen Damenrennsports zu machen, wurde Wirklichkeit: Die Montafoner Goldschlüsselrennen zogen die Elite der Skiszene ins Tal – und mit Erika Netzer gab es 1963 den ersten (und einzigen) Montafoner Heimsieg. Größen wie Annemarie Moser-Pröll, Rosi Mittermaier und Hanni Wenzel machten das Montafon zu einer fixen Größe im Weltcupkalender. Doch 1983, nach einem wetterbedingten Rennabbruch und heftigen Diskussionen, endete diese glanzvolle Phase abrupt.

1980er Jahre

Nach dem Aus der Goldschlüsselrennen richtete sich der Blick nach vorn – diesmal auf den Herren-Weltcup. Erste FIS- und Europacupbewerbe am Golm machten Hoffnung, doch ein fixer Weltcuptermin blieb aus. Man konzentrierte sich wieder auf den Damen Weltcup. So kam es, dass 1992 die Montafoner Olympiasiegerin Anita Wachter auf ihrer eigenen Weltcupstrecke antrat – ein symbolischer wie emotionaler Moment. Es blieb bis heute das letzte alpine Weltcuprennen im Tal.

1990er Jahre

Während der alpine Weltcup zum Stillstand kam, setzte das Montafon auf neue Formate: Snowboarden, damals noch Exotensport, hielt Einzug – mit Landesmeisterschaften, FIS-Rennen und schließlich den Österreichischen Meisterschaften. Gleichzeitig wurden Events wie die Figleuropameisterschaften mit starken heimischen Rennläuferinnen und Rennläufern populär und bewiesen: Das Montafon versteht es, Wintersport zu leben – auch abseits des Mainstreams.

© Stefan Michael Kothner

2010er Jahre

Mit den jährlichen Snowboardcross-Weltcups am Hochjoch ab 2012/13 und den Skicross-Bewerben ab 2015/16 kehrte internationales Flair zurück – samt Heimsiegen von Markus Schairer und Alessandro Hämmerle. 

Ein besonderes sportliches Großereignis war das Europäische Olympische Jugendfestival (EYOF) 2015: Über 1.500 Athletinnen und Athleten aus 50 Nationen traten im Montafon in den Disziplinen Ski alpin, Biathlon, Langlauf, Eiskunstlauf, Eishockey, Nordische Kombination, Skisprung und Snowboard an und sorgten für unvergessliche Momente. Im Zuge dieser Großveranstaltung entstand das Montafon Nordic Schanzenzentrum auf dem Areal der ehemaligen Zelfenschanze in Tschagguns.

2020er Jahre

Das Montafon blickt voller Vorfreude auf seinen nächsten großen Meilenstein: die FIS Snowboard, Freestyle und Freeski Weltmeisterschaften 2027. Erstmals wird das Tal Austragungsort dieses globalen Großereignisses – mit über 1.200 Athletinnen und Athleten aus 40 Nationen und einem Millionenpublikum vor den Bildschirmen. Die besten Athletinnen und Athleten der Welt – in Disziplinen wie Halfpipe, Slopestyle, Big Air, Snowboardcross, Parallel-Riesenslalom, Parallel-Slalom, Aerials, Skicross, Moguls und Dual Moguls.

Das ist mehr als ein sportliches Spektakel: Es steht für Zusammenhalt, Regionalität und eine neue Generation des Wintersports. Bestehende Infrastrukturen werden sinnvoll genutzt, lokale Akteure aktiv eingebunden. Für das Montafon bedeutet die WM 2027: internationale Sichtbarkeit, wirtschaftliche Impulse – und die konsequente Fortsetzung einer über 100-jährigen Wintersporttradition.

Willst Du mehr über die Geschichte des Wintersports im Montafon erfahren? Dann besuche unbedingt die Wintersportausstellung Tschagguns.

Quelle:
Brugger, Andreas: Vom Pioniergeist vom Massensport – 100 Jahre Skisport im Montafon. Schruns 2006 (Sonderband 3 zur Montafoner Schriftenreihe)

Brugger, Andreas: „Wintersport im Montafon – Ein Rückblick auf die letzten zehn Jahre anlässlich des 110-Jahr-Jubiläums der ältesten Wintersportvereine“. In: Michael Kasper (Hg.): Jahresbericht 2016 der Montafoner Museen, des Heimatschutzvereins Montafon und des Montafon Archivs. Schruns 2017.

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