Wintersport im Montafon

Kultur & Tradition
Ski & Snowboard
01.10.2025

Meilensteine einer über
100-jährigen Erfolgsgeschichte

Von Pioniergeist, Leidenschaft und internationaler Stahlkraft –
Wie sich das Montafon zur Wintersportregion mit internationalem
Renommee entwickelte.

Wintersport ist im Montafon mehr als nur Tradition – es ist gelebte Identität, die Generationen miteinander verbindet. Die Entwicklung von den ersten waghalsigen Abfahrten auf einfachen Holzskiern über international renommierte Weltcupbewerbe
und das Europäische Olympische Jugendfestival (EYOF) bis hin zu den FIS Snowboard, Freestyle und Freeski Weltmeisterschaften 2027 erzählt eine Geschichte von Innovationskraft, Gemeinschaftssinn und sportlichem Ehrgeiz im südlichsten Tal Vorarlbergs. In einer Region, in der Natur

und Sport eng verwoben sind, wurde das Fundament für eine über hundertjährige Erfolgsgeschichte gelegt – getragen
von engagierten Vereinen, visionären Persönlichkeiten und unzähligen sportlichen Glanzmomenten. Diese Chronik wirft einen pointierten Blick zurück – nicht nostalgisch, sondern mit Stolz auf das, was war und voller
Vorfreude auf das, was noch kommen wird.

1900er-Jahre

Bereits in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts fanden sich im Montafon die ersten Wintersportpioniere aus der Region zusammen. Als 1906/07 zwei kleine Gruppen von Enthusiasten die ersten Wintersportclubs des Tales in Schruns und Tschagguns gründeten, ahnte wohl niemand, dass sie den Grundstein für eine der ältesten Wintersporttraditionen Vorarlbergs legen würden. Rodeln galt zunächst als beliebtestes Wintervergnügen, doch schon bald begannen die Skier das Tal zu erobern. Dass diese neue Sportart anfangs belächelt wurde, hielt die Pioniere nicht auf: Im Jahr 1910 wurde der Golm zur Bühne für die ersten Vorarlberger Landesmeisterschaften im alpinen Abfahrtslauf – ein früher Meilenstein auf dem Weg in der sportlichen Entwicklung des Montafon.

1920er- & 1930er-Jahre

Im Ersten Weltkrieg erlernten viele Montafoner Soldaten das Skifahren. In der Zwischenkriegszeit brachte diese Erfahrung neuen Schwung – überall im Tal gründeten
sich Skiclubs. Der Skilauf verdrängte das Rodeln. Lifte gab es zwar noch keine, aber das tat dem Ehrgeiz keinen Abbruch. Rennen wie der Silvrettalauf oder der Kapelllauf entwickelten sich zu Publikumsmagneten und zogen sogar internationale Gäste wie den US-amerikanischen Schriftsteller Ernest Hemingway in die winterliche Bergwelt des Montafon. Der Skisprung wurde zum neuen Spektakel und mit der Rhätikonschanze sowie der Zelfenschanze erhielt das Montafon Sprunganlagen, die für Aufsehen sorgten – nicht zuletzt, weil Legenden wie Bubi Bradl dort Rekorde aufstellten.

1940er-Jahre

Die Nationalsozialisten vereinnahmten im Zweiten Weltkrieg
auch den Skisport: Die Skivereine gingen im NS-Reichsbund für Leibesübungen
auf. Doch selbst die tiefen Narben dieser Epoche konnten den Sportsgeist im Montafon nicht brechen. Schon 1946 wurden erneut die Vorarlberger Landesmeisterschaften ausgetragen, ein Jahr später die ersten Österreichischen Nachkriegsmeisterschaften – mit tatkräftiger Unterstützung aus dem ganzen Tal. Symbol für den Aufbruch war der Bau des ersten Sessellifts in Vorarlberg, auf dem Grabs in Tschagguns. Und es war ein struktureller Schritt, der die Zukunft prägte: 1949 entstand der Skiclub Montafon, ein Talschaftsverband, der die Kräfte bündelte – aus Überzeugung, dass man gemeinsam mehr bewegen kann. Auch im Skisprung tat sich einiges. Für die Meisterschaften von 1947 entstand eine Kombinationsschanze, Schauplatz des ersten legendären Nachtspringens Österreichs.

1950er-Jahre

Mit dem Skiclub Montafon begann eine neue Ära: sportlich ambitioniert, organisiert, professionell und getragen von großem Zuspruch. Die internationalen 2-Pisten-Rennen
wurden ab 1951 zum sportlichen Aushängeschild – mit prominenten Namen wie den drei Olympiasiegern Othmar Schneider, Henri Oreiller und Stein Eriksen. Bei den Österreichischen
Meisterschaften 1957 war schließlich Toni Sailer der unumstrittene Star. Gleichzeitig schrieb der nordische Skisport seine eigene Erfolgsgeschichte: Durch das engagierte Wirken lokaler Funktionärinnen und Funktionäre entwickelte sich Gaschurn zu einer Langlaufhochburg – mit nationalen Titeln und einer besonders starken Nachwuchsförderung.

1960er-Jahre

Die Idee, das Montafon regelmäßig zur Bühne des internationalen Damenrennsports zu machen, wurde Wirklichkeit: Die Montafoner Goldschlüsselrennen zogen die Elite der Skiszene ins Tal – und mit Erika Netzer gab es 1963 den ersten (und einzigen)
Montafoner Heimsieg. Größen wie Annemarie Moser-Pröll, Rosi Mittermaier und Hanni Wenzel machten das Montafon zu einer fixen Größe im Weltcupkalender. Doch 1983, nach
einem wetterbedingten Rennabbruch und heftigen Diskussionen, endete diese glanzvolle Phase abrupt.

1980er-Jahre

Nach dem Aus der Goldschlüsselrennen richtete sich der Blick nach vorn – diesmal auf den Herren-Weltcup. Erste FIS- und Europacupbewerbe auf dem Golm machten Hoffnung, doch ein fixer Weltcuptermin blieb aus. Man konzentrierte sich wieder auf den Damen-Weltcup.
So kam es, dass 1992 die Montafoner Olympiasiegerin Anita Wachter auf ihrer eigenen Weltcupstrecke antrat – ein symbolischer wie emotionaler Moment. Es blieb bis heute das letzte alpine Weltcuprennen im Tal.

1990er-Jahre

Während der alpine Weltcup zum Stillstand kam, setzte das Montafon auf neue Formate: Snowboarden, damals noch Exotensport, hielt Einzug – mit Landesmeisterschaften,
FIS-Rennen und schließlich den Österreichischen Meisterschaften. Gleichzeitig wurden Events wie die Figleuropameisterschaften mit starken heimischen Rennläuferinnen und
Rennläufern populär und bewiesen: Das Montafon versteht es, Wintersport zu leben – auch abseits des Mainstreams.

2010er-Jahre

Mit den jährlichen Snowboard Cross-Weltcups auf dem Hochjoch ab 2012 / 13 und den Ski
Cross-Bewerben ab 2015 / 16 kehrte internationales Flair zurück – samt Heimsiegen von Markus Schairer und Alessandro Hämmerle. Ein besonderes sportliches Großereignis
war das Europäische Olympische Jugendfestival (EYOF) 2015: Über 1.500 Athletinnen und Athleten aus 50 Nationen traten im Montafon in den Disziplinen Ski Alpin, Biathlon, Langlauf, Eiskunstlauf, Eishockey, Nordische Kombination, Skisprung und Snowboard
an und sorgten für unvergessliche Momente. Im Zuge dieser Großveranstaltung
entstand das Montafon Nordic Schanzenzentrum auf dem Areal der ehemaligen Zelfenschanze in Tschagguns.

2020er-Jahre

Das Montafon blickt voller Vorfreude auf seinen nächsten großen Meilenstein: die FIS Snowboard, Freestyle und Freeski Weltmeisterschaften 2027. Erstmals wird das Tal Austragungsort dieses globalen Großereignisses – mit über 1.200 Athletinnen und Athleten aus 40 Nationen und einem Millionenpublikum vor den Bildschirmen. Die besten Athletinnen und Athleten der Welt – in Disziplinen wie Halfpipe, Slopestyle, Big Air, Snowboard Cross, Parallel-Riesenslalom, Parallel-Slalom, Aerials, Skicross, Moguls und Dual Moguls. Das ist mehr als ein sportliches Spektakel: Es steht für Zusammenhalt, Regionalität und eine neue Generation des Wintersports. Bestehende Infrastrukturen werden sinnvoll genutzt, lokale Akteurinnen und Akteure aktiv eingebunden. Für das Montafon bedeutet die WM 2027: internationale Sichtbarkeit, wirtschaftliche Impulse – und die konsequente
Fortsetzung einer über 100-jährigen Wintersporttradition.

Einer der wohl bekanntesten Wintersporttouristen im Montafon: Ernest Hemingway (2. v.l.) war in den Wintern 1924 / 25 und 1925 / 26 zu Gast.

Im Jahr 1959 wurde auf dem Golm der Skibetrieb
aufgenommen. An diesem Tag wurden
221 Personen mit dem Schrägaufzug befördert.

Ein Moment der in Erinnerung bleibt: Anita Wachter fährt auf ihrer Weltcupstrecke auf dem Golm in der Kombination auf den 5. Rang.

Für Markus Schairer gehört der Snowboard
Cross-Weltcupsieg im Dezember 2013 auf dem Hochjoch definitiv zu seinen emotionalsten Erfolgen.

Willst Du mehr über die Geschichte des Wintersports im Montafon erfahren? Dann besuche die Wintersportausstellung Tschagguns.

Das Montafon blickt voller Vorfreude auf seinen nächsten großen Meilenstein: die FIS Snowboard, Freestyle und Freeski Weltmeisterschaften von 6. bis 21. März 2027

Quelle
Brugger, Andreas: Vom Pioniergeist zum Massensport – 100 Jahre Skisport im
Montafon. Schruns 2006 (Sonderband 3 zur Montafoner Schriftenreihe) Brugger, Andreas: „Wintersport im
Montafon – Ein Rückblick auf die letzten zehn Jahre anlässlich des 110-Jahr-Jubiläums
der ältesten Wintersportvereine“. In: Michael Kasper (Hg.): Jahres-
bericht 2016 der Montafoner Museen, des Heimatschutzvereins Montafon und
des Montafon Archivs. Schruns 2017.

ECHT Montafon

Print Magazin

ECHT Montafon erzählt Geschichten von Menschen, Traditionen und der einzigartigen Bergwelt. Mit tiefgehenden Reportagen, persönlichen Begegnungen und eindrucksvollen Bildern bringt das Magazin die Region zum Leben – authentisch, inspirierend und voller echter Erlebnisse.

Alle Stories